Neujahr: Ein Fest mit Geschichte

Eigentlich heißt das Neujahrsfest erst seit 1691 „Silvester“. Denn in diesem Jahr erklärte Papst Innozenz XII. den 1. Jänner zu einem kirchlichen Feiertag und benannte ihn zum Andenken nach dem verstorbenen Papst Sylvester I. Auch der Tag, an dem Silvester gefeiert wird, war nicht immer gleich. Denn unsere Zeitrechnung hat sich im Lauf der Jahrtausende immer wieder verändert. Früher, als noch der sogenannte Julianische Kalender galt, war der letzte Tag des Jahres der 24. Dezember. Doch als 1582 die Zeitrechnung reformiert und der gregorianische Kalender eingeführt wurde, verlegte der damalige Papst den letzten Tag des Jahres vom 24. Dezember auf den 31. Dezember. Seitdem wird der sogenannte „Altjahrstag“ fast auf der ganzen Welt an diesem Tag gefeiert. Aber obwohl es die katholische Kirche war, die den Tag bestimmte an dem wir heute Silvester feiern, ist Silvester kein christliches Fest. Vielmehr gehen die zahlreichen Bräuche und heidnischen Traditionen auf eine jahrtausendalte Geschichte zurück.

Laut alten Überlieferungen feierten die Römer schon um 150 v. Chr. ein Fest zum Jahresende und auch die Germanen läuteten das neue Jahr mit Feuerriten ein. Der Jahreswechsel wurde damals zur Wintersonnenwende rund um den 21. und 22. Dezember zelebriert. Die Germanen glaubten, dass Dämonen, Hexen und andere finstere Gestalten sich in der dunklen Jahreszeit herumtreiben. Um die bösen Geister zu vertreiben, schlugen sie mit Stecken laut gegen Holz und zündeten große Feuer an. Daraus entwickelte sich über die Jahrtausende der Brauch, zu Silvester Feuerwerksraketen anzuzünden. Lesen Sie weiter und entdecken Sie mehr über die faszinierenden Mythen und Hintergründe der österreichischen Neujahrsbräuche.

Bleigießen

Früher glaubte man, dass Blei ein magisches Metall ist. Das Bleigießen diente als Orakel, um Glück und Unglück für Schlachtzüge, Erntezeit und Gesundheit vorherzusagen. Der Brauch soll schon zur Zeit des römischen Reiches praktiziert worden sein und erfreut sich in manchen Gegenden auch heute noch großer Beliebtheit. Ein Stück Blei wird mit Hilfe eines Löffels über einer Kerze erhitzt und dann in kaltes Wasser gegossen, wodurch das Blei sofort erstarrt. Die kuriosen Formen können dann gedeutet werden und sollen etwas über das zukünftige Jahr verraten.

Neujahrswünsche

Mit den Worten „Prosit Neujahr“, „Einen guten Rutsch“ und ein „Frohes neues Jahr“ beglückwünschen sich die Menschen zum neuen Jahr. Aber die eigentliche Bedeutung dieser Worte ist anders als gedacht „Prosit“ ist lateinisch und heißt „Es möge gelingen“ und der „gute Rutsch“ kommt vom hebräischen Wort „Rosch“, was so viel wie „Anfang“ bedeutet.

Mitternachtswalzer

Ein ganz besonderer Brauch in Österreich ist der Mitternachtswalzer zu Silvester. Kurz vor 24 Uhr werden Handy, Hausradio oder Autoradio aufgedreht. Um Punkt Mitternacht verkündet die größte Glocke des Wiener Stephansdoms, die Pummerin, den Neujahresbeginn. Wenn dann die Glockenschläge verklungen sind und die ersten Takte des Wiener Walzers „An der schönen blauen Donau“ von Johann Strauss aus dem Radio tönen, wird zum Dreivierteltakt gedreht, geschaukelt und gelacht. Herausforderung dabei: Statt einem Tanzboden wird auf Steinpflaster, Straße und verschneiter Wiese getanzt.

Neujahrskonzert, Silvesterstadl und Neujahrsblasen

Musikalische Unterhaltung darf zu Silvester natürlich auf keinen Fall fehlen. Der Klassiker ist das jährliche Neujahrskonzert der weltbekannten Wiener Philharmoniker. Seit Jahrzehnten begeistert dieses kulturelle Highlight Fans auf der ganzen Welt. Über das Fernsehen wird das Konzert jährlich in die Wohnzimmer von Menschen aus über 90 Ländern übertragen. Auch die zahlreichen „Silvesterstadl“ mit traditioneller Musik und Tanzeinlagen sind ein Showerlebnis, das man gesehen haben sollte. Die älteste musikalische Tradition zu Silvester ist neben dem Läuten der Kirchenglocken jedoch das Neujahrsblasen, das dem Brauch des Sternsingens ähnelt. Kleine Gruppen ziehen mit Blasinstrumenten musizierend von Haus zu Haus und sammeln Spenden für das neue Jahr.

Rauhnächte

Die Rauhnächte sind zwölf Nächte zwischen der Wintersonnwende (21. oder 22. Dezember) und dem Dreikönigstag (6. Jänner). Der Name kommt von dem Mittelhochdeutschen „rûch“ und bedeutet zottig oder haarig. Früher glaubte man, dass an diesen Tagen böse Geister ihr Unwesen treiben. Je nach Region gibt es deshalb unterschiedliche Bräuche und Riten, die böse Geister und auch Mächte wie die Dunkelheit und die Kälte vertreiben sollen. Die Silvesternacht vom 31. Dezember auf den 1. Jänner ist die Dritte der vier wichtigsten Rauhnächte. Auch heute noch weit verbreitete Bräuche, die an diesem Tag statt finden, sind das Räuchern gehen, die Perchtenläufe und das Aperschnalzen.

Räuchern gehen

Das Räuchern gehört wohl zu den ältesten Riten der Welt. In früheren Zeiten wurde es von Schamanen praktiziert, um mit Göttern in Kontakt zu treten, Unglück und böse Geister zu vertreiben oder auch um Gebäude zu reinigen. Zuerst werden alle Fenster der Wohnung oder des Stalls geschlossen. Dann wird jeder Raum mit einer Räucherschale und speziellen Räuchermischungen durchschritten. Besonders beliebt als Räuchermittel ist Myrrhe. Erst wenn alle Räume geräuchert worden sind, werden die Fenster geöffnet, um den Rauch abziehen zu lassen.

Perchtenläufe

Perchten sind hässliche Gestalten mit zottigen Verkleidungen, Hörnern und zu bösen Fratzen verzogenen Tiermasken. Dem alten Glauben nach ziehen sie in den Rauhnächten mit Peitsche und Glocke umher um böse Kinder zu bestrafen, die braven zu belohnen und mit ihrem Glockenlärm den Winter zu vertreiben. In Österreich hat sich der Brauch von Perchten und Krampus mit der Zeit vermischt. Deswegen ziehen die Perchten heute meist nicht mehr in den Rauhnächten, sondern schon am Abend des 5. Dezembers mit dem Nikolaus umher.

Aperschnalzen

Der erste schriftliche Beleg des Aperschnalzens ist auf 1730 datiert. Beim Aperschnalzen lassen Gruppen zu je neun Männern Holzstiele mit daran befestigten Hanfseilen durch die Luft schnalzen. Je nachdem, welchen Geschichten man Glauben schenkt, soll das die bösen Geister und den Winter vertreiben oder die unter der tiefen Schneedecke liegende Natur wiedererwecken. Besonders bekannt ist das jährliche Rupertigau-Preisschnalzen in Bayern nähe Salzburg und das Neujahrsschnalzen vor dem Linzer Landhaus.