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Landwirtschaft und Milch

Die wirtschaftliche Situation unserer Milchbauern ist angespannt. Jahr für Jahr schrumpft die Zahl der Milchbauern in Österreich, aber aufgeben wollen viele trotzdem nicht. 30 Prozent führen ihren Betrieb lieber im Nebenerwerb weiter. Warum das Geschäft mit der Milch so hart ist und wie unterschiedliche österreichische Milchbetriebe trotzdem weitermachen.

Vom Verschwinden unserer Milchbauern

Trotz öffentlichen Fördergeldern gestaltet sich die Situation heimischer Landwirte schwierig. Unsere Milchbauern können von ihrer Arbeit immer schlechter leben und schließen deshalb immer häufiger für immer ihre Stalltüren. Von 2004 bis 2014 hat ein Drittel mit der Milchwirtschaft aufgehört, das sind sieben Milchbauern pro Tag.

„Früher hat man für einen Liter Milch sieben Schilling bekommen und der Diesel hat fünf Schilling gekostet. Heute bekommt man für einen Liter Milch 35 Cent und der Liter Diesel kostet über einen Euro“, fasst Manfred Mayerdorfer die allgemeine Situation zusammen.1 Weil er weniger als die Hälfte seiner Arbeitszeit in der Landwirtschaft tätig ist, zählt er zu den 30 Prozent aller österreichischen Milchbauern, die ihren Betrieb im Nebenerwerb führen. Der Grund dafür ist in den meisten Fällen die Kleinstrukturiertheit der österreichischen Milchwirtschaft. Zu 67 Prozent kommt die Milch aus Bergregionen. Dort gibt es viele Täler und Berglagen, in denen traditionell nur eine geringe Anzahl an Kühen zur Grünlandbewirtschaftung gebraucht wird.

Zweites Standbein statt Aufhören

Um ihren Milchbetrieb nicht endgültig aufgeben zu müssen, betreiben viele Landwirte ihre Milchwirtschaft im Neben- statt im Haupterwerb weiter. Viele schaffen sich ein zweites Standbein, etwa im Tourismus. Andernfalls müssten die Grünlandflächen um den Bauernhof verpachtet, verkauft oder verwaldet werden. Die heimische Milchwirtschaft zu stärken, ist zum einen enorm wichtig, um nicht von internationalen Produzenten abhängig zu sein, zum anderen auch, um wertvolle Arbeitsplätze zu erhalten und die Landschaft zu pflegen.

Der durchschnittliche Milchbauer

Etwa 32.000 Milchbauern gibt es in Österreich, die die österreichische Landschaft bewahren und bewirtschaften. Rund 15 Prozent davon erzeugen ihre Milch nach Bio-Richtlinien. Der durchschnittliche Milchbetrieb in Österreich ist ein Bauernhof mit 17 Milchkühen, auf dem die Familie zusammenhilft. „Wir liefern schon Milch seit ich denken kann und wir machen das gerne“, sagt Erich Rust aus Thörl in der Steiermark.1 Im Haupterwerb hält er 18 Kühe in Weidehaltung. Melken kann diese jeder in seiner Familie – denn dass man zusammenhilft, versteht sich von selbst. Rust gehört mit seinem Hof zu den 20 Prozent aller heimischen Milchbauern, die biologisch produzieren. Das bedeutet: Die Tiere kommen an mindestens 120 Tagen im Jahr ins Freie, ihr Futter wird biologisch angebaut und sie geben Bio-Milch. Das funktioniert für Familie Rust gut und sie sind stolz auf ihre Arbeit. Schließlich hat kein anderes Land so einen großen Bio-Milch-Anteil wie Österreich.

Der Hof muss sich rechnen

Auch auf größeren Höfen zählt vor allem eines: Wichtiges Know-how von Generation zu Generation weiterzugeben. Bei der Versorgung der 80 Milchkühe von Anton Haimberger in Niederösterreich helfen die Eltern deswegen noch immer gerne mit. Auch den Kindern wird die Begeisterung vorgelebt. Der Hof wird nach wie vor konventionell und in Laufstallhaltung bewirtschaftet. Generell ist der Bio-Anteil im Ackerbau geringer. Warum? Weil die Umstellung für einen Ackerbaubetrieb größer ist als für einen Grünlandbetrieb. Damit man von der Milchproduktion leben kann, gilt es daher, in erster Linie gute Erträge aus dem Ackerland rauszuholen. Haimberger meint dazu: „Ich finde es gut, wenn jeder Milchbauer seinen eigenen Weg sucht und findet.1