Neujahr: Ein Blick über den Tellerrand

Das neue Jahr wird auf der ganzen Welt gefeiert. Doch in jedem Land und in jeder Kultur gibt es ganz eigene Sitten und Bräuche, mit denen das neue Jahr eingeläutet wird. Warum regnet es in Argentinien Papierschnitzel aus den Fenstern und warum tragen Frauen in Spanien zu Silvester rote Unterwäsche? Wir haben für Sie die kuriosesten Traditionen gesammelt. Viel Spaß beim Schmökern!

Spanien – Traubenessen bringt Glück

In Spanien hatte einmal ein findiger Winzer eine kluge Idee: Warum nicht eine Silvestertradition mit Weintrauben erfinden? So konnte er seine im Jahr 1909 sehr üppige Ernte an den Mann und an die Frau bringen. Seitdem hat sich der Brauch in ganz Spanien verbreitet. Bei jedem der zwölf Glockenschläge um Mitternacht wird sich etwas gewünscht und eine Weintraube gegessen. Wer sich dabei verzählt, soll dem Aberglauben nach im neuen Jahr Pech haben. Glück hingegen soll es bringen, vor dem gemeinsamen Anstoßen auf das neue Jahr einen goldenen Ring ins Sektglas zu legen.

Russland – Weihnachten und Silvester in einem

In Russland wird nicht nur einmal, sondern ganze elfmal Silvester gefeiert. Denn das Land ist so groß, dass es elf Zeitzonen hat. Gemäß dem russisch-orthodoxen Kalender fällt das Neujahrsfest in den Jänner. Weihnachten und Silvester wird gleichzeitig gefeiert, dementsprechend groß ist das Fest. Der Grund dafür liegt in Russlands Geschichte. Im Zuge der Oktoberrevolution 1917 wurde Weihnachten nämlich verboten und so verschoben sich die Weihnachtstraditionen auf Silvester. Deshalb wird in Russland erst am 31. Dezember der Weihnachtsbaum „Jolka“ aufgestellt. Großväterchen Frost und seine Helferin Snegurotschka, deren Name Schneeflöckchen bedeutet, bringen die Geschenke. Große Feuerwerke zu Mitternacht dürfen natürlich trotzdem nicht fehlen.

China – Neujahrsputz und Drachenumzüge

In China wird am 31. Dezember nicht viel gefeiert. Denn dort beginnt das neue Jahr erst am Tag des ersten Vollmondes nach dem 21. Jänner. An diesem Tag wird ausgelassen mit großen Feuerwerken und Drachenumzügen gefeiert, denn das Neujahrsfest ist eines der wichtigsten in der chinesischen Kultur. Als Vorbereitung darauf werden die Häuser mit Bambuszweigen gefegt, die Bettwäsche gereinigt und die Kleidung gewaschen. Das soll böse Geister und Unglück vertreiben. Um 23 Uhr werden dann alle Fenster weit geöffnet, um statt dem Unglück das Glück herein zu lassen und willkommen zu heißen.

Argentinien – Es schneit Papierschnitzel

Die Argentinier in Buenos Aires zerschneiden zu Silvester alte Unterlagen und Dokumente. Die Papierschnipsel werfen sie aus dem Fenster und verabschieden sich damit symbolisch von den Altlasten des vergangenen Jahres. Auch im Rest Argentiniens wird bei gutem Essen und Champagner groß gefeiert. Um Mitternacht versammeln sich dann alle auf öffentlichen Plätzen und Flachdächern, um die Feuerwerke zu bestaunen und gemeinsam ins neue Jahr zu starten. Danach wird häufig noch bis in die späten Nachtstunden gefeiert.

Brasilien – rote Unterwäsche bringt Glück in der Liebe

Die Brasilianer tragen zu Silvester weiße Kleidung, welche Frieden und Glück für das neue Jahr symbolisieren soll. Darunter werden farbige Dessous getragen – vor allem die Farbe Rot ist sehr beliebt, denn diese bringt Glück für das Finden bzw. Behalten der großen Liebe. Je nach Farbe sollen diese etwa Glück in der Liebe oder Reichtum bringen. In Rio de Janeiro und anderen Orten an der Küste stecken sie Kerzen in den Sand und werfen Blumen in das Meer. Dem Aberglauben nach erfüllen sich ihre Wünsche für das neue Jahr, wenn die Blumen im Meer unter gehen. Stranden die Blumen aber wieder am Strand, so gehen die Wünsche nicht in Erfüllung.

Deutschland – Auf einen guten Rutsch

In Deutschland sind die Neujahrsbräuche sehr ähnlich wie in Österreich. Auch hier wird Blei gegossen, Glücksbringer verschenkt und auf „einen guten Rutsch“ angestoßen. Auch die Perchtenläufe und das Mitternachtsfeuerwerk sind üblich. Selbst das klassische Silvesterprogramm im Fernsehen ähnelt sich. Anders ist es aber mit der in Norddeutschland verbreiteten Tradition des sogenannten Rummelpott. Das ist ein Topf, der mit einer Schweinsblase bespannt wird und aus dessen Mitte ein Schilfrohr heraussteht. Durch das Reiben des Schilfrohrs entstehen Töne. Kinder und Erwachsene ziehen mit dem ungewöhnlichen Instrument am Abend des 31. Dezembers von Haus zu Haus, singen typische „Rummelpottlieder“ und sagen Reime auf. Dafür erhalten sie von freundlichen Hausbesitzern Süßigkeiten, Obst, Nüsse und das ein oder andere alkoholische Getränk für die Erwachsenen.