Ein nächtliches Interview – der Frische wegen

Ein Interviewtermin mit der Genusswelt am späten Sonntagabend? Kein Problem für Krimhilde Summer. Während der Woche ist sie schließlich von frühmorgens bis spätabends mit der Arbeit am Summer-Hof ausgelastet. Für Interviews muss ihre „Freizeit“ herhalten, und die ist eben nur am späten Sonntagabend. Denn: „Die Tomaten gehen vor!“. Und die wurden nach der Ernte in St. Andrä im burgenländischen Seewinkel gleich am Sonntagabend verladen, damit sie am Montagmorgen erntefrisch in den Hofer-Filialen liegen.  

Es war das schöne Wetter an diesem Wochenende, das Familie Summer nützen musste, um die prallen Tomaten zur optimalen Zeit zu ernten. „Hofer legt großen Wert auf Qualität und Frische“, erklärt Krimhilde Summer. „Danach richtet sich natürlich auch der Arbeitsablauf.“  

Eine logistische Meisterleistung

Sie ist übrigens selbst fasziniert von der „logistischen Meisterleistung bei Hofer“ (Zitat K. Summer). Wenn das Gemüse vom Feld kommt, wird es gereinigt, verpackt und verladen, während die Frachtpapiere, Lieferscheine und Formulare vorbereitet werden. „Um spätestens 20 Uhr muss unser LKW in der Hofer-Zweigniederlassung Stockerau sein. Dort wartet bereits ein Nachtdienst, der gleich die Kommissionierung vornimmt, in der Früh haben die Kunden die erntefrische Ware im Regal. Das ist meines Wissens nach einer der kürzesten Wege des Warenumschlags“, sagt sie anerkennend.

Aber auch der Arbeitstag am Summer-Hof hat es in sich! Zwischen 6 und 7 Uhr früh beginnt er, für die Summers dauert er oft zwölf und mehr Stunden, die Arbeitswoche hat sechs, manchmal auch sieben Tage. Richard und Krimhilde Summer, ihre beiden Kinder Richard jun. und Anna sowie 15 Mitarbeiter kümmern sich tagtäglich, von März bis zum ersten Frost, um den Betrieb. In der Hochsaison springen noch 50– 70 Erntehelfer ein. Denn mit dem Pflanzen, Gießen und Ernten allein ist es lange nicht getan. „Der Boden gehört aufbereitet und gepflegt, man muss für optimale Wachstumsbedingungen sorgen, die Pflanzen täglich kontrollieren, die regelmäßigen Qualitätsprüfungen für die AMA- bzw. GlobalGAP-Zertifizierungen vorbereiten, Verpackung, Verladung und Lieferung organisieren, die wachsenden bürokratischen Formalitäten erledigen, sich um die Mitarbeiter, Arbeitsgeräte und Anlagen kümmern und vieles mehr“, zählt Krimhilde Summer auf.    

Viel Handarbeit - auch heute noch

„Es steckt sehr viel Handarbeit dahinter, tausende Handgriffe sind nötig, bis so ein knackiges Salathäuptel oder eine reife Tomate im Regal liegt. Das unterschätzen viele, ebenso wie das tägliche Risiko. Ein Stromausfall oder ein Wetterumsturz können binnen weniger Stunden die Arbeit vieler Monate zerstören.“ Die Familie hat gelernt, damit zu leben. Sie sind mit Leib und Seele Gemüsebauern.  

Vom Kraut zur Mini-Melone

Seit den 1960er-Jahren gibt es den Summer- Hof im burgenländischen St. Andrä im Seewinkel. Richards Eltern haben ihn unter schwierigen Bedingungen aufgebaut. „Damals gab es nicht einmal einen Brunnen hier.“ Die harte Arbeit trug Früchte – im wahrsten Sinn des Wortes. Schon seit 1992 liefert der Summer-Hof verschiedenstes Gemüse an Hofer. „Früher war es mehr Kohl und Kraut, doch seither hat sich die Nachfrage gewandelt.“ 1999 übernahmen Richard und seine Frau Krimhilde den Hof. Heute produzieren sie auf rund 50 Hektar Tomaten, Häuptel- und Eisbergsalat sowie Mini-Melonen. Letztere gehen an Hofer-Filialen in ganz Österreich, Tomaten und Salate nach Trumau und Stockerau. „Das muss knackfrisch sein, jede Stunde zwischen Ernte und Lieferung zählt. Darum ist es sinnvoll, dass wir Bauern nur in umliegende Regionen liefern. Wir versorgen u. a. auch kleine Standler in unserer Gegend bis Podersdorf.“  

Generationen-Netzwerk

Drei Generationen der Familie leben am Hof zusammen. Oma Summer ist der gute Geist. Sie erledigt die Hausarbeit, wäscht und kocht für alle, wenn Wetterbedingungen und geänderte Lieferanfragen wieder einmal Arbeit ohne Pause fordern. „Sie verwöhnt uns oft mit unserem Lieblingsessen. Sie ist ein Schatz“, sagt Krimhilde über ihre Schwiegermutter. Apropos Lieblingsessen: Mag jemand, der 7 bis 8 Monate im Jahr täglich Tomaten und Salate sieht, diese Lebensmittel überhaupt noch? „Oh ja! Speziell von Tomaten kriegen wir nie genug. Wir lieben sie in allen Varianten, etwa als Paradeiskraut, einer typisch burgenländischen Zuspeise zu Rindfleisch, die gern bei Hochzeiten serviert wird.“  

Winterarbeit und Kundenlob

Und was machen Gemüsebauern im Winter? „Da müssen die alten Pflanzen weggeräumt, gehäckselt und wieder auf die Felder ausgebracht, die Anlagen gereinigt und eingewintert werden. Um Weihnachten planen wir dann schon wieder für die nächste Saison.“ Bis dahin genießen sie alles, wofür in der stressigen Saison keine Zeit bleibt. Wirbelsäulengymnastik etwa, damit der vom vielen Bücken und Tragen schmerzende Körper wieder ein wenig besänftigt wird. Ihre Leidenschaft, das Reiten, geht sich für Krimhilde Summer allerdings auch dann kaum aus. Dafür begleitet Familienhund „Buddy“, ein australischer „Cattle-Dog“, sie auf Schritt und Tritt.

„Ja, es ist schon hart. Die Arbeitszeit wird durch Wetterbedingungen und Kundennachfrage bestimmt, der Erfolg ebenso. Aber wenn wir dann Briefe oder Mails bekommen, worin die Kunden schreiben: ,Eure Paradeiser schmecken so, wie Paradeiser schmecken müssen, genau wie früher.‘ oder ,Eure Mini-Melonen sind so spitze! Wer braucht da schon Importware?‘ – dann freut man sich unglaublich, dass es doch so viele Leute gibt, die den echten Wert des Wortes ,Lebensmittel‘ noch zu schätzen wissen!“